Tanzperformance

Modeperformance in Meyenburg

 

Die Berliner Textilkünstlerin Beate Flierl führt seit über zehn Jahren sehr spezielle, das Publikum begeisternde Modenschau-Performances durch, die als Tanzstücke an den verschiedensten Orten in Berlin und im norddeutschen Raum aufgeführt wurden (siehe auch Textilkunst 3/1997, Seite 152-153). Ihre letzte spektakuläre Performance fand Pfingsten 2006 am brandenburgischen Schloß Meyenburg in der Prignitz anlässlich der Eröffnung des dortigen Modemuseums und begleitend zur Ausstellung der Künstlerin in drei Räumen des Schlosses statt.

Die Ausstellung von Beate Flierl, wie auch ihre Performance und die dabei zu sehende Bekleidung fielen hier aus dem Rahmen, waren aber eine erfrischende Ergänzung, die großen Anklang fand, und vielleicht auch etwas Zukunftsmusik ist.

Wie alle Choreographien Beate Flierls entstand auch diese unter ihrer ideellen Führung in gemeinsamer aktiver Arbeit mit den Tänzern und Musikern: Livemusik, Akrobatik, zeitgenössischer Tanz. Die Qualitäten jeder einzelnen Person und die Spontaneität des Moments flossen hier mit ein. Dies lässt eine besondere Energie bei den Aufführungen entstehen, welche sich auch in Meyenburg einem überraschten Publikum mitteilte und es nachhaltig beeindruckte. Die Performance vereinte Naturelemente, spirituelles Wissen, Schloßarchitektur, Musik und Tanz, Theater und Textilkunst, Bekleidung und Bildkunst zu einem Gesamtkunstwerk. Sie sollte auch im Zusammenspiel mit den anwesenden Naturwesenheiten verstanden werden. Getanzt wurden die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft, Kämpfe von Göttern und Göttinnen um Schicksal, und essentielle Fragen unserer Zeit.

Schon der Titel „Ein Hauch – versponnen und verwoben“ ließ eine vielfältige Szenerie und interessante Textilien erwarten. Diese Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Beginnend mit zarten und sanften Gitarrenklängen standen die vier Elemente, jedes in einzelner Darstellung, am Anfang des Tanztheaterspektakels. Es folgte der Mensch: Paris, der von den drei Göttinnen umgarnend umworben und erprobt wurde und sich für eine entschied, wodurch er den Kampf mit einer der abgewiesenen Göttinnen heraufbeschwor. Symbolisiert wurde hier zugleich der Kampf um des Kampfes willen, und die Freude daran.

Eine andere Szene zeigte einen langen Troß, umkreist von einer Tänzerin, Sinnbild der eigenen Erfahrungen des Menschen, von diesem betrachtet, abgespalten von sich selbst, sich verlierend in Gedankenblokaden. Erst mit Hilfe von Bewegung und dem Element Feuer gewinnt er die nötige Kraft, die eigene Hürde zu überwinden.

Einen Höhepunkt bildete das beeindruckend schön und emotional ausgeführte Tanzstück der drei Parzen, der Göttinnen der Zeit und des Schicksals. Hier wurde der Blick frei in eine andere Dimension.

Das letzte Stück zeigte immer wiederkehrender Handlungsabfolgen – eine Zeitschleife und deren Durchbrechung.

Durch das oben erwähnte Arbeitsprinzip von Variabilität und Spontanität gleicht keine Aufführung von Beate Flierls Modeperformances der anderen. Eine gewisse Konstante dagegen sind ihre dabei zur Geltung kommenden Textilien. Ihre Gewebe sind spannende farbige Kunstwerke, von den Wandteppichen bis zu den Kleidern, Mänteln und Wickelhosen. Die Anregungen dafür nimmt die Künstlerin aus der ganzen Welt, mit speziellem Blick auf Afrika, Vietnam und Südamerika. Dabei ist sie eine der wenigen Künstlerinnen, die auf der Tradition der Handweberei aufbauen. Alle Arbeitsgänge führt sie praktisch selbst durch: Spinnen, Weben, Färben mit Naturmaterialien, Batiken, Schnitte und Nähen von Kleidungsstücken. So entstehen nur Unikate. In den Aufführungen entfalten diese dann ihre besonderen Zauber und ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten werden sichtbar. Dies entspricht in besonderer Weise den Intentionen der Künstlerin.